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REVIEW: taz Berlin, 24. August 2007

Klicken, Fiepen, Zupfen

Ein kahler weißgestrichener Raum an der Greifswalder Straße. Einzige Möblierung ist eine lange, weiße Tischreihe, an der sich sechs Männer über ihre Laptops beugen. Bis auf das Klickern der Tastaturen ist es vollkommen still. »Everybody ready?«, fragt Takeshi Nishimoto in die Runde. Nicken. Dann gibt der japanische Musiker das Startzeichen und die Regieanweisung: »Just follow the timetable!«.

Exaktes Timing ist beim Laptoporchester alles. Bei der Probe für das 45 Minuten lange Stück, das sie zur Langen Nacht der Museen am Kulturforum aufführen wollen, klappt es schon ganz gut. Komponist und Gastmusiker Nishimoto, der als Einziger ein reales Instrument spielt, gibt auf der Gitarre die Leitmelodie vor. Dazu erklingen aus sechs Laptops verschiedene Tonspuren: ein hohes Fiepen, ein Basslauf, sphärisches Rauschen, Knarzen. Die sechs Klangschichten legen sich übereinander zu einem warmen Klanggewebe, aus dem gelegentlich die Gitarre durchscheint. Eine Symphonie für acht Laptops und eine Gitarre, die erstaunlich lebendig klingt.

»Jeder von uns spielt seinen Laptop wie ein Instrument«, erklärt Marek Brandt die Spielweise des 2003 in Berlin gegründeten Laptoporchesters. Eine klassische Partitur wird dabei in sechs bis acht Tonspuren zerlegt und in eine Audiosoftware übersetzt. Statt Notenbögen sind auf dem Bildschirm Soundkurven, Marker und Pausenbereiche zu sehen. Dirigent ist der Mann am Tonmischer, der die sechs zusammenlaufenden Tonspuren regelt und ausbalanciert. Der Rest ist Konzentration mit einem Schuß Improvisation …

Die sechs Männer am Laptop und der Mann an der Gitarre haben derweil in der Nische zur Perfektion gefunden: Das Zusammenspiel stimmt, der Timetable wird eingehalten, niemand guckt mehr verzweifelt zum Nachbarn. Der Gitarrist Takeshi Nishimoto grinst zufrieden. Es ist das Grinsen eines Komponisten, der sein Werk in guten Händen weiß.

Nina Apin, taz Berlin, 24. August 2007 (Artikel wurde gekürzt)

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